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Teile-Improvisation beim Glockenlager.
Die Montage des Glockenlagers und das Lagerspiel einstellen.

Datenstand ist 12.11.2011

Die Reinigung und die Einzelteile


Die Einzelteile reinigen um sie zu sichten.
Das geht mit Benzin, Diesel, Kaltreiniger etc.
Ebenso geht es mit lauwarmem Wasser und Spüli. Dann ist mehr zu schrubben und trocknen.
Der Dreck in den Aussparungen der Kugelringe sollte restlos entfernt werden.
Wie es mittig zu sehen ist.


Die Späne (aus dem Reinigungsbad) am Magnet verdeutlichen den Sinn einer Wartung.


Die Späne führen zu einer stetig schnelleren Abnutzung der Lagerschalen und Konen.
Der Konus mit Sechskant ist der aus meinem Vaterlandrad.
60er Jahre Renak-Ware. Am Rande der Nutzbarkeit.
Da ich meine Glockenlager alle 2-3 Jahre neu fette kann ich den wieder einbauen.
Das Bild im Bild oben zeigt die Abnutzung eines höherwertigen, besser erhaltenen Konuses.
Den habe ich im Schraubstock durchgebrochen. Das geht schnell, da das Teil durchgehärtet ist.
Das ist zu sehen an der gleichm. Struktur des Materials.
Das bietet enorme Vorteile.
Nehmen Sie Ihre beiden abgenutzten Konen mit zu einem Dreher.
Bitten Sie den Mann die Konen nachzuarbeiten.
Entweder arbeitet er mit einer Radien-Lehre, oder der zieht mit einem Schwung die Krümmung nach.
Die Laufflächen sind dann wieder glatt. Entlohnen Sie den Mann korrekt.
Durch das fehlende Material wird die Einbauabmessung so minimal verändert, das ist irrelevant.




Da hat sich die Passung geweitet.


Die Lagerschale aus meinem Vaterland hat nur noch einen Durchmesser von 40,01mm.
Die Norm sieht 40,15mm vor. Zusätzlich hat sich meine Tretlagerhülse etwas geweitet. Die Schale dreht sich darin.
Die Lagerschale mit 40,43mm ist eine baugleiche Thompson. Sie liegt etwas über der Norm und ist wieder fest einzubauen.
Es ist auch möglich mit einem Schutzgas-Schweißgerät auf der Lagerschale Auftragschweißungen zu tätigen.
Punktweise und immer wieder abkühlen, so würde ich das machen. Danach verschleifen und nicht nur brutal reinschlagen.
Ebenso ist es möglich Distanzstreifen zu nutzen, sogenanntes Bandstahl oder Fühlerlehrenband.
Sparfüchse kaufen sich eine alte Fühlerlehre oder nehmen die mit denen früher die Kontakte des VWs eingestellt wurden.
Mit etwas Geduld läßt sich die lockere Schale durch Auffütterung des Hohlraumes wieder korrekt einbauen.
Dabei ist es unerheblich ob die Lagerschale dann etwas außermittig sitzt.


Dieses Kurbel-Kontermutter-Gewinde sollte mit einer Gewindefeile nachgearbeitet werden.
Gewindefeilen gibt es für metrisches und zölliges Gewinde.
Wer eine zöllige Gewindefeile kauft achtet auf den Fachbegriff "Whitworth-Gewinde".
Unterschieden wird noch nach metrisches Regel- und Feingewinde.
Bei Whitworth UNC = grob, UNF = fein.
Ich mach hier keinen "auf Welle", das sind erlernbare Grundlagen.
Glockenlagerwellen von historischen Rädern haben in der Regel ein zölliges Feingewinde um das Lagerspiel einzustellen.
Recht "junge Glockenlagerwellen" haben manchmal ein metrisches Feingewinde, ebenso wie Thompson-Wellen.
Die Teile sind nicht kompatibel. Am besten ausprobieren, sobald es schwergängig wird nicht weiterdrehen.
Besser mit einer Gewindelehre die Gangzahl des Gewindes prüfen.

Wer die verschiedenen Kontermuttern oben betrachtet erahnt die Unterschiede an möglichen Tretlagerwellen.
Ich nenne das Teil stets Welle, da es sich dreht. Wie die Welle, die eine Schiffsschraube antreibt.
Naben haben Achsen, da sie feststehen.

Anmerkung eines aufmerksamen Lesers, Danke-Top!
Achsen können sich auch drehen, siehe Eisenbahnwaggons,
aber Achsen übertragen kein nennenswertes Moment, in Gegensatz zu Wellen.



Die Montage eines Glockenlagers, Schritt für Schritt



"Der Einbau erfolgt in umgekehrter Richtung der Demontage."
Montageanleitungen dieser Art gibts wie Sand am Meer.


Setzen Sie beide Lagerschalen ein und schlagen die mit dem Hammer fest ein.
Wenn Sie lediglich den Rahmen in der Hand haben, klemmen Sie die Lagerschalen im Schraubstock zusammen.

Spannen Sie die Tretlagerwelle in einen Schraubstock mit Schonbacken.
Nach oben drehen Sie die Seite mit dem Achsbund/Rezess.
Drehen Sie den Festkonus (Linksgewinde) bis an den Anschlag.
Schrauben Sie den Festkonus fest.

Bringen Sie Wälzlagerfett in die Lagerschalen ein, ebenso in die Zwischenräume der Kugelringe.
Setzen Sie die Kugekringe in die Lagerschalen.
Die geschlossene Seite des Käfigs soll nach außen zeigen.

Schieben Sie die Tretlagerwelle durch die Tretlagerhülse des Rahmens.
Achten Sie darauf, falls das Rad auf dem Kopf steht, der Festkonus der Welle gehört auf die rechte Seite in Fahrtrichtung.
Drehen Sie den Konus links auf die Welle (Linksgewinde), bis Sie den Widerstand der Kugeln merken.
Setzen Sie die Scheibe mit der Nase innen auf die Welle, vor den Konus.
Schrauben Sie die Kontermutter auf, drehen von Hand bis zum Anschlag an die Sicherungsscheibe.
Setzen Sie provisorisch die rechte Kurbel (mit Kettenblatt) auf den rechten Vierkant der Welle.
Schrauben Sie die rechte Kurbel provisorisch mit der Kontermutter fest.
Halten Sie mit der einen Hand die rechte Kurbel und schrauben links die Kontermutter des Lagers fest.

Sie bestimmen den Lagerzustand, das Spiel des Glockentretlagers.
Das Wort "Spiel" sagt in sich aus, es sollte eines vorhanden sein.
Ein geringes Spiel ist besser als geringe Klemmstellen des Lagers.

Ob das Lager gut läuft ermittle ich durch die zusätzliche, provisorische Montage der linken Kurbel.
Bei einem kleinen Schubs an einer Tretkurbel soll das Lager sich gut drehen.
Die Drehbewegung soll sich gleichmäßig verlangsamen.

Ich investiere in die Einstellung meines Glockentretlagers peinlichste Genauigkeit.
Der Weg der Demontage und Reinigung war lang und ein gutes Ergebnis ermöglicht mir "langes und gutes radeln".

Wenn ich lediglich den Rahmen mit nun montiertem Glockenlager zur Hand habe,
klemme ich die Kurbeln im Schraubstock zusammen.
Legen Sie Unterlegscheiben an die Stelle an der das Gewinde der Welle aus den Kurbeln tritt.
Ebenso gehen Stecknüsse aus dem Knarrenkasten.


Das herausstehende Gewinde der Tretwelle.
Es ist auch möglich eine Kurbel mit einem schweren Hammer auf die Welle zu schlagen.
Halten Sie dazu an der gegenüberliegende Seite einen Vorschlaghammer an die Kurbel.
Wiederholen Sie den Vorgang für die zweite Kurbel.
Der Vorschlaghammer nimmt den Schlag auf mit dem die Kurbel auf den Vierkant getrieben wird.
Die Kugeln nehmen keinen Schaden, sie haben ja auch ein "Spiel".
Achten Sie darauf nicht auf das herausstehende Gewinde zu schlagen.


Hier sehen Sie meine Schlagspuren an der Kurbelkante. Mein Gemüt kann das ab.
Diese Kontermutter ist falsch angesetzt und könnte einem (festgezogen) die schöne Arbeit versauen.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte befestigt die linke kurbel nicht endgültig fest.
Nach einiger Benutzung des Rades erst das Spiel endgültig einstellen, das ist eine gute Methode.
Die Kontermuttern der Kurbeln festziehen ist der Abschluss der Arbeit.
Die darauf folgende Probefahrt fühlt sich verdammt gut an.


Werkzeug für Glockenlager .