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Die Überarbeitung eines Pallas.
Das Ziel: 1800 Höhenmeter-Abfahrt schadlos zu überstehen.


Fahrrad Pallas gesichtet Übergabe Pallas
Mein erster Sichtkontakt mit dem Pallas-Fahrrad im Nov. 2011 (links) inzwischen .
Der Schock über den frühen Schnee, der wurde durch die Bereithaltung des Rades (bis Aug. 2012) von Schorsch wettgemacht.
Schorsch hats mir hergerichtet, meinen herzlichen Dank.
3 Tage später bin ich damit aufgebrochen meinen härtesten Stempelbremstest zu fahren.


Aufgenommen mit Canon A-1 BJ1980, Photoshop inside.

Bestandsaufnahme des Rades:

Das Rad wurde schon mal vor vielen Jahren überarbeitet.
Nicht originale Lagerware Schutzbleche und Wulstfelgen mit blau-weißer Linierung sind montiert.
Hinten ist eine Torpedo 1927 eingespeicht.
Vorne prangt eine Häckel Lichtanlage aus Mitte der 30er Jahre.
Hinten ist jedoch ein viel jüngeres Schutzblech-Rücklicht montiert.
Lenker und Stempelbremse wirken aus einem Guss, Vermutungen bringen hier ja nichts.
Der Pallas Schutzblechreiter hat unten ein "G" geprägt.
Das weist auf Goebel.
Pallas kam laut Hr. Papperitz "Buch: Markenware Fahrrad" ab 1949 zu Goebel.
Das Steuerkopfschild ist aus einer früheren Zeit.
Der Bandfeststeller am Rahmen ist kein eindeutiges Indiz auf Vorkrieg.
Die hohe Rahmennummer um 899.xxx zeigt Tendenz in Richtung Wirtschaftswunder.

Fazit:
Mit absoluter Sicherheit nicht Baujahr 1927.
Mit Sicherheit vom ehemaligen Besitzer (Schorsch und mir unbekannt) gut hergerichtet und auf Vorkrieg getrimmt.
Die Lichtanlage, der Nickel-Lenker inkl. Bremse und die Torpedo wirken nicht nur aufwertend.
Der rare Schutzblechreiter erfreut mein goebelndes Herz.
Ich könnte Teile abbauen und damit ein andres Rad "aufwerten".
Aber mit was werte ich dann obiges Pallas im Gegenzug auf?
Es wird gefahren bis ichs weggebe.
Ich als Rechenkünstler nehm die Quersumme aller obigen Zahlen.
Ich komme auf 121 mit Toleranz +-2, mehr Zahlen hab ich nicht parat!



Der Vergleich von technischen Möglichkeiten an Fahrrädern in 1941.
Betrachtet werden Bremsanlagen, insbesondere Verbesserungen durch Trommelbremsen.
Gangschaltung und Lichtstandard werden erwähnt.



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Wanderer-Continental Baujahr 1936

Beide .

Im Vergleich:
Die Technik eines Wanderer Continental mit dem Pallas rechts im Bild.
Das Pallas ist ein nachträglich auf Vorkrieg getrimmtes Fahrrad.
Das Wanderer ist nachweislich 1936 vom Erstbesitzer gekauft worden.
Es hat die Rahmennummer 76835x.
Die Dreigang Mod 029 und die vordere Trommelbremse sind im Jahr 1941 nachgerüstet worden.
Das Rad wurde offensichtlich für Wanderfahrten genutzt.
Mir ist überliefert worden, vom Erstbesitzer wurde das Rad annähernd 60 Jahre aktiv gefahren.
Das Wanderer kam, für meine "Berichte zur Fahrradzeit 1941", ganz passend in der Scheune an.

Die Dreigang 029 wurde insges. lediglich 180.000 mal (von 1925- ca. 1942) gefertigt.
In selbiger Zeit wurden nahezu 25.000.000 Torpeo Freilaufnaben hergestellt (Jubiläumsnabe 50 Mio. 1904-1940 ).
Das erklärt die Seltenheit einer funktionierenden 029 in heutiger und damaliger Zeit.



Wanderer-Continental mit Trommelbremse

Drei Bremsen am Fahrrad.
Das bedeutete sowohl in der Vergangenheit, als auch heute: Höchster Bremsstandard!
Die Trommelbremse war nahezu 50 Jahre am Fahrrad das Verzögerungsbauteil schlechtweg.
Auch in den 1980er Jahren wurden dazu von F&S noch Brems-Tabellen veröffentlicht.
Sachs-Marketing-Strategen verglichen damals die Orbit-Trommelbremsversion mit Felgenbremsen.



Trommelbremsnaben 1937

Sachs hat Fahrrad-Trommelbremsen ab 1930 produziert.
Es gab zu den normalen Fahrrad-Trommelbremsnaben auch verstärkte Versionen.
Hier sind F&S-Trommelbremsen in einem Tandem der 30er Jahre zu sehen .


Sachs Trommelbremse für Fahrräder 1937

Am Wanderer Continental ist vorne diese Trommelbremse verbaut.
Bremstechnisch allerbest ausgestattet wäre das Rad zusätzlich mit folgender Hinterradnabe.


Sachs Universal Trommelbremse Baujahr 1942

Eine Dreigang Universal Version Trommelbremse , Baujahr ab 1935 - ca. 1942.
Diese Naben sind jedoch in der Regel in den Export gegangen.

Trommelbremsen arbeiten mit "Innenbacken", die spreizen sich und drücken beim Bremsvorgang gegen die "Trommel".
Je größer die Trommel und Beläge, desto besser ist die Bremswirkung.




Der Vergleich der vorderen Bremsen am Wanderer Continental und dem Pallas:

Die Stempelbremse erwärmt bei langer Abfahrt den Reifen, sie nutzt ihn ab.
Der Reifen erwärmte sich bei meinem Bremstest extrem hoch.
Es kam zu viel Reifen- und Klotzabrieb, bei starkem Gummigeruch.
Eine Erwärmung des Reifens mag im Rennsport die Haftreibung in den Kurven erhöhen.
Beim Bremsvorgang schlägt das, ab einem gewissen Wärmegrad, ins Negative.
Der Reifen droht auszubrechen. Er rutscht über den Gummiabrieb davon.

Eine Trommelbremse erwärmt sich bei einer langen Abfahrt ebenfalls.
Je größer Ihre Bauart, desto besser wird die Wärme abgegeben (auch über die Speichen).
Ich kann auf Erfahrungen mit einem Lastenrad und Trommelbremse zurückblicken.
Das Rad ist auch weiter oben zu sehen, hinter den nebeneinander stehenden Wanderer und Pallas.
Die eingespeichte Moped-Trommelbremse bremst nahezu täglich seit 20 Jahren.
Die Trommelbremse hat den Nachteil, die Bremskraft wird über die Speichen/Felgenring nach außen (auf den Reifen) übertragen.
Ich vertraue einer funktionierenden Trommelbremse am Oldtimerrad gänzlich.
Das Rad ist in der Handhabung verbessert.

Sachs Lagerware Trommelbremse
Das ist eine Lagerware Trommelbremse aus den 80er Jahren.
Das Lager liegt hier frei, der Dichtring fehlt...
Das Fett kann austreten und sich auf den Bremsbelag legen.
Bei Wärme tritt es mit Sicherheit aus!
Die Wirkung der Bremse geht gegen Null.
Das ist (neben erhöhtem Einbauaufwand) einer der großen Nachteile einer Trommelbremse.



Mein Fazit:

Eine Stempelbremse mag der Verkehrsordnung auch heute noch genügen, ebenso genügsamen Brems-Menschen.
Der Ausbau eines Vorderrades gestaltet sich da auch denkbar einfach.
Eine Trommelbremse vervielfacht die Bremsleistung, das Gefummel mit Bremsschelle und Bowdenzug kann nerven.



Quellenangaben zu den Pallas- und Brems-Abhandlungen:

Fahrradtechnik (von 1980), von Siegfried Rauch und Fritz Winkler
Fortschritt und Sicherheit (von 1961), von Ernst Bäumler
Naben-Katalog (von 1937), von Fichtel & Sachs
Fahrrad-Katalog (von 1936), Goldschmidt & Mundus, Hamburg
Der Fahrradmechaniker (von 1933), von Walter Sattig und Bernard Kneuertz

Fotos:
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