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Test NuVinci N360 Schaltungsnabe

Datenstand ist 24.07.2011

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Die NuVinci in Retrovelo .



Es gibt sie wirklich!

NuVinci N360 heißt die stufenlose Schaltungsnabe aus Amerika.
Auf dem deutschen Markt ist sie noch nicht angekommen:
Keiner hat sie hier wirklich gesehen und an unabhängige Informationen ist kaum heranzukommen.
Außerdem löst der Begriff „stufenlos“ fast immer ein Missverständnis aus, er wird von den meisten mit Automatik assoziiert.
Aber stufenlos schalten bedeutet nicht, die Kontrolle aufzugeben – ganz im Gegenteil:
NuVinci wird per Drehgriff von der kürzesten bis zur längsten Übersetzung manuell durchgeschaltet – nur eben ohne mechanischen Schaltschritt.
Das geht im Stand, in Fahrt und uneingeschränkt auch unter Last, die Spreizung beträgt 360%.

nuvinci-schalter


Wie funktioniert sie?

Wie alle Nabenschaltungen ist auch NuVinci N360 ein Planetengetriebe.
Als Planeten wirken große, auf beweglichen Achsen gelagerte Kugeln, die das Eingangsmoment kraftschlüssig übertragen.
Das schlupffreie Abrollen wird durch ein Spezialöl gewährleistet, das sich an den Berührungspunkten verhärtet.
Trotzdem: Weil keine Zahnräder ineinander greifen, musste das Getriebe wesentlich größer konstruiert werden,
als sämtliche Schaltungsnaben auf dem Markt.
Und mit 2.450 g bringt es fast 800 g mehr auf die Waage, als beispielsweise Shimanos 11-Gang Alfine.



Wo ist der Haken?

Wer nicht in die Berge will oder aus Prinzip kein Gramm zuviel am Rad haben möchte,
sollte mit dem Mehrgewicht gut leben können – die spannende Frage dürfte sein:
wie geht die Nabe mit den unendlich vielen Gängen mit der endlichen Ressource Antriebskraft um – wie hoch ist ihr Wirkungsgrad?
Merkwürdigerweise bleiben uns der Hersteller Fallbrook ebenso wie die Fachwelt bisher eine Antwort schuldig.
Objektive Messungen kann ich natürlich auch nicht machen, aber ich kann gut vergleichen:
Im Testrad, das sich ansonsten in seiner Konzeption und Geometrie nicht entscheidend verändert hat,
ersetzt das stufenlose Getriebe eine alte 7-Gangnabe.
Ich verwende es ganzjährig, oft mit Kinderanhänger und hauptsächlich in der Stadt,
viel aber auch auf Touren im Umland und auf unbefestigten Wegen.



Erster Eindruck: es funktioniert!

Wenn sich eine Gruppe von Radfahrern in Bewegung setzt, tickert und schnurrt, knackt, kracht und rattert es:
Jede Schaltung hat ihren Sound – nur NuVinci N360 nicht.
Die Verstellung passiert lautlos und ohne Ruck – und auch das Getriebe selbst macht seine Arbeit unhörbar und praktisch „nebenwirkungsfrei“.
Das ist der erste spürbare Vorteil:
Das Schalten ohne Hemmschwelle, das Herantasten an die optimale Übersetzung,
das intuitive Anpassen an veränderte Voraussetzungen wie Verkehr, Wind und Steigung.
Wer es drauf anlegt, gewinnt jeden Ampelsprint, ohne aus dem Sattel zu gehen –
die stufenlose Nabe erlaubt gleichmäßiges Beschleunigen bei konstanter Trittfrequenz,
denn sie lässt sich auch unter Volllast kontinuierlich schalten.
Das passiert per Drehgriff mit einer zweizügigen Ansteuerung, wie beim Rohloff Speedhub.
Sehr solide, sehr präzise – und entzückend gestaltet mit einem mechanischen Display,
das beim Verkürzen der Übersetzung einen Hügel aufschiebt, den ein winziger Radler erklimmen muss.



Willkommen in der Komfortzone …

Nochmal ein kurzer Blick aufs Funktionsprinzip:
Die Übersetzungsveränderung passiert im NuVinci-Getriebe dadurch, dass die Planeten auf eigenen Rotationsachsen gelagert sind,
deren Winkel gekippt wird.
Dadurch rollen die ringförmigen an- und abtreibenden Laufflächen auf unterschiedlichen Radien an den Kugeln ab.
Genau in der Mittellage ergibt sich so der neutrale Gang.
Nur im Bereich der Extremübersetzungen ist etwas von der Arbeit des Getriebes zu merken.
Hier wird die Abwälzbewegung von einer ausgeprägten Bohrreibung überlagert,
die man bei festem Tritt als knurpsige Rückmeldung am Fuß spüren kann.
Und das kostet auch etwas Kraft.
Das heißt, dass das Getriebe in der Mitte eine breite „Komfortzone“ mit einer Spreizung von gefühlten 300% bietet,
während die Effektivität zur kürzesten und zur längsten Übersetzung hin abfällt.

nuvinci-stufenlos-schaltbare-getriebenabe



Fazit

Nach gut 700 Testkilometern steht fest:
NuVinci N360 gehört dahin, wo es auf die mittleren Übersetzungen ankommt: ins Flachland!
Hier stimmt der Wirkungsgrad und wegen der unendlichen Bandbreite möglicher Übersetzungen ist die Nabe hier jeder Alternative klar überlegen –
außerdem kommt das hohe Gewicht nicht zum Tragen.
Zu den großen Vorzügen der stufenlosen Schaltung zählt, dass man sie ohne Zögern und Nachdenken nutzt,
denn gemeinsam mit den Gangsprüngen fällt auch die Hemmschwelle weg, auf kleine Veränderungen zu reagieren.
Dem kommt auch die ausgezeichnete Ansteuerung entgegen.

In aller Kürze: NuVinci N360
ist eindeutig erste Wahl für alle, die sich eine feinere Abstufung wünschen
ist als einzige Nabenschaltung auf dem Markt uneingeschränkt lastschaltfähig
ist KEINE Automatik. Sie wird manuell geschaltet, wie andere Getriebenaben auch – nur eben stufenlos …
arbeitet im mittleren Übersetzungsbereich am effektivsten und ist deshalb kein Getriebe für die Berge
ist kein Leichtgewicht. Wer umrüstet, muss mit knapp einem Kilo Mehrgewicht rechnen
ist trotz seiner Größe unscheinbar und wird nicht als aufwendiges Bauteil identifiziert. Das reduziert die Diebstahlgefahr
kostet halb so viel, wie ein Rohloff-Speedhub, hat unendlich viel mehr Gänge, aber einen kleineren Übersetzungsbereich
ist Understatement pur: Das Getriebe arbeitet vollkommen lautlos, nur der Freilauf tickert beim Rollen

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