Entwicklung der Konusnaben bei Sachs, die kleinen Torpedos von F & S.

Vorwort
Die Fertigstellung dieser Abhandlung zeigt mir:
Die Nachbereitung meines zwanzigminütigen Vortrags, dauerte deutlich länger als die Vorbereitung.



Erklärung zur Funktion.

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Ab wann wurden Konusnaben gebaut und aus was gingen sie hervor?

Aus Ritzeln...

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Ich geh davon aus, er hat viel zur Entwicklung Mod515 (über 53+55) beigetragen, wow³.

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Neben dem starren Ritzel gabs die Freilaufritzel.
Auch heute noch wird starrer Antrieb gefahren.
Vor ca. 140 Jahren ging daraus das Freilaufritzel hervor.
Die Technik aus den Ritzeln wurde dann in die Naben verlegt, Freilauf durch Klinken, Walzen, Keile usw.
Ebenso wurde die Bremse, erst an, dann mit in die Nabe konstruiert.

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Vergleiche zur Torpedo und Konusnaben-Entwicklungen anderer Hersteller.

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"Olle" Gif-Animation von 2005, erfüllt noch ihren Zweck...
Verhält sich im Gefühl wie eine Konusnabe, sehr aufmerksame Pedalisten spüren allerdings tatsächlich einen Unterschied.

Es bleibt bei der Beschreibung:
Wer beim Fahrrad in die Pedale tritt, dreht über die Kette und Ritzel den Antreiber im Uhrzeigersinn,
im Gegensatz zur Konusnabe, werden bei der Torpedo 5 Walzen kraftschlüssig in die Nabenhülse gedrückt,
diese wird mitgenommen das Fahrrad fährt.

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Wurde nahezu unverändert gebaut bis 1991.



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Laut eines Kataloges, eine new dep. 1900 (Usa), ich hab noch keine gesehen bzgl. sicherer Konus-Aussage.
Die Vermutung liegt nahe, die Bremse wird durch die Nabe angesteuert und "avec la roue libre".
Mit Freilaufritzel wärs techn. nicht machbar gewesen, mag mich irren.
Das Mod A ab um ca. 1903 ist eine Konusnabe.



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Morrow (Usa) gab es, laut Patentstempel auf den frühen Hülsen, ab 1904.



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Ob die Wanderer vor 1910 als Konusnabe gefertigt wurde, das entzieht sich meiner Kenntnis.

Jedenfalls, F&S hatte zur der Zeit keine Konusnabe, das änderte sich erst in den späten 20er Jahren.
Ich vermute Sachs hat es mit seinem Walzenprinzip nicht nötig gehabt, oder für nötig gehalten,
ein weiteres Produkt mit vergleichbarer Funktion auf den Markt zu bringen.
Sie hatten das Patent für Torpedo, als das allerdings auslief, wurden sie bzgl. Konus aktiv.

Mit der Torpedo Freilauf verhält es sich wie mit dem Atommüll-Endlager in Gorleben.
Die weit verbreitet Meinung ist, die Castoren stünden im Salzstock. Falsch, sie stehen in einer Halle.
Der Torpedo dichtet man gedanklich gerne "die erste" Freilaufnabe mit integrierter Bremse an.
Ich denke falsch. Sie gehört weltweit mit zu den ersten Naben die selbiges vereinte.

"Alle Aspekte der Welt sind füreinander nützlich".
Ist doch schön, über Naben auch mal weltlich rumphiloveloisieren.
Gelegentlich hab ich nicht nur ein Brett vorm Kopp, nein klopps auch noch fest :-)







Die Komet der Frankfurter Stempelwerke.

F&S "kauft" sich 1929 seine erste Konusnabe und entwickelt daraus in 6 Jahre das Mod35.

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Um ca. 1921 kam die Konusnabe Komet der Stempelwerke aus Frankfurt auf den Markt.
Frühe Varianten der Komet haben keine Jahreszahlen geprägt.
Fakten zu Informationen werden auf Velopedia gelistet: Siehe "Werbeblatt 1924" .
Stetige "Konstruktionsänderungen 1924" vereinfachen die Reparatur heute nicht unbedingt.

F&S verkauft ab 1929 montierte Naben aus Frankfurter Teilen.
Die Produktion läuft an, Innenteile und Hülsen werden mit Jahreszahlen gestempelt.

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Zur Beachtung 33+34 im obigen Fall:
Kein F&S-Stempel.
Unterschiedliche Hülsen mit Staubdeckel.
33 ohne Buchstabe, 34 mit.







Der Standard wird entwickelt "Mod35".

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(Hier dient eine Frankfurter Komet zur Verdeutlichung der Lamellenbremse.)

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Zur Beachtung, trotz Mod35 unterschiedliche Hülsen möglich.
F&S-Stempel, zusätzliche Buchstabe (wie bei Torpedo).



Zusammenfassung:
Erste Konusnabe von Sachs.
1929 Weltwirtschaftskrise, F&S kauft sich eine zweite Freilaufnabe.
Verkauft ohne Mod-Kennung 6 Jahre Naben und entwickelt einen Standard.
Komet Mod35 wird bis 1945 7 Millionen mal gebaut und Restverkauf bis 1950.
Heutige Reparaturen früher Naben, scheitern teils an nicht kompatiblen Teilen anderer Jahrgänge.

Mein Kommentar:
"Die frühe Komet ist schön, kann aber auch auf die Nerven gehen."
Wenn ich eh umspeich, fliegt die Komet raus und Torpedo geht rein.
Was früher und auch heute als Aufwertung gesehen werden darf.
Eine Lammelle aus der Bremse ist hübsch tragbarer Keltenschmuck.
Top, so hab ich gleich Geschenke für meine Frauen.
"Das ist schön, aber Mann will ja auch keiner auf die Nerven gehen."







Neben der Komet Mod35, gab es eine weitere 30er-Jahre Konusnabe von Sachs.

Die Rotax mit gedrehtem Stahlbremsmantel.

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Fakten zu Informationen werden auf Velopedia gelistet: Siehe "Preisliste 1934" .



Mein Kommentar:
Ich hab noch keine gesehen, die Nabe mag in den Export gegangen sein.
Mich hat die Erwähnung "Rotax als F&S-Konusnabe mit gedrehtem Stahlbremsmantel" Jahre lang verwirrt.

Aber so ist das mit Katalogen, Kopien und Überlieferungen.
Der Status Glaubensfrage ändert sich für mich, wenn...
Ich selber ein Foto von einer Nabe gemacht und mit copyright versehen hochgeladen hab.
Aber wie war das noch mit dem Spatz in der Hand und taube Daube aufm Dach?







Die goldenen Jahre der "kleinen Torpedo".

zeitline-der-konusnabe-kleine-torpedo-ab-mod52



Gegenüber 85 Millionen verkauften Torpedo-Freilauf (Walzenantrieb) bis 1991,
stehen 7 Millionen Komet Mod35
und weitere 42 Millionen der Konusnaben ab 1952 bis Ende der Eingang-Produktion.



Fazit:
Das Geschäft hat sich ja gelohnt, sich 1929 eine Konusnabe zu kaufen und daraus was zu machen.
Die Entwicklung ab der Komet 1952 lief üblich, kleiner werdende Naben und Teile.
Die Geister die man rief... Die Boy ist nicht schlechter als eine Jet.
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Hab schon eine Boy für mich selber eingespeicht.
Die laufen gut, sind leicht und sehen auch noch richtig gut aus.







Vergleiche 3 Komet ab Mod52 mit den Konusnaben Boy und Jet.

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Die Konusnaben zu vergleichen fällt leicht, wie Sie sehen sehen Sie garnichts.
Die Naben sind ab 1952 stetig in Ihrer Bauweise verkleinert worden.
Sich auf Vergleiche von Zeichnungen zu verlassen ist nicht ratsam.

Neben Mod52 Komet-Super eine Boy, das macht Sinn.
Eine Komet-Super 161, gehört (in Dekade 102 und 515) zu den 60er Jahre-Naben, Mod-Kürzel beachten.

Die 70er Jahrenaben haben dann fünfstellige Mod-Bezeichnungen.
Jet = T1110, Komet = T1112, Torpedo = T1210, die 2gang = A2110 usw.
Die "aufgeräumte" Dekade.







Vergleich kompatibler Bauteile untereinander und was bedeutet das für uns Schrauber.

Der Antriebskonus ab Mod52-Komet, ist mit den Nachfolgern kompatibel.
Boy und Jet sind untereinander nicht kompatibel, ebenso mit keiner Komet.

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Komet161 und T1112 sind laut Liste kompatibel, Besonderheiten sind auf Seite 2 hier zu beachten.
T1112 sind in der Fertigungsgüte (ebenso wie Torpedo gerillte Hülse T1210) hoch entwickelt.
Sie sind, bedingt durch ihre Erscheinung, nicht sonderlich beliebt, in Alltagrädern als "Top-Ware" zu bezeichnen.







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Der von mir gehaltene Vortrag für Wintertreffer,
beim "Verein für historische Fahrräder ",
ging hier mit seinen Informationen (auch für Nicht-Vereinler) online.

Wer sich oben erkennt und ungenügend unkenntlich gemacht sieht, bitte mir eine E-Mail schicken, wird umgehend vollends fotoshopisiert.



Quellenangaben und Danksagungen:

Ulrich Henz, ehemaliger SRAM und Sachs-Mitarbeiter, hat mir einst Kartons voller Kopien von Dokus aus dem Hause Sachs übergeben.
Dankeschön, ich zehr da jetzt noch von.

In alphabetischer Reihenfolge.
Danke Frank, Helge, Ivo, Jürgen, Kescha, Uli und Velopedia-Team.
Manche neue Info für mich, kam kurz vor oder während des Vortrags.
Danke Lars für die gemeinsame Fahrt zur Wintervelo.

Sämtl. Infos sind aus ehemaligen Sachsdokumenten und Katalogen, ebenso aus altesrad.net und ddr-fahrradwiki.de zusammengetragen extrahiert.
Das zu erarbeiten ist kein Hexenwerk, mach mit... es macht Freude und olle Fahrräder verbinden.
Sie stinken nicht, tun keinem weh, die Eigner sind in der Regel offen und gesellig.
Das Material ist mit Sachverstand und Gabe zu Geld zu machen, oder als Schrott auch ohne Sachverstand zu entsorgen.
Womit die Frage der Nachhaltigkeit auch geklärt wäre.
Danke für die Aufmerksamkeit.