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Fahrbericht Sachs Zweigang in Hercules Klapprad.
Betrachtungen zum Schaltvorgang.
Einschätzungen zur Verwertbar und Nutzbarkeit.

Datenstand ist 15.07.2012

Fahrbericht: Hercules Steckrad Baujahr 1974 mit Sachs Automatic A2110.

Wie zwei Außerirdische drifteten wir auf die M.S.-Michel zu.
Die Antriebe lieferten sich im unteren Drehzahlbreich überschneidende Klickgeräusche.
Die abgelichtete Basis-Station ist mit Sicherheit eine der großen Euronischen Gelddruckmaschinen.
Sich nach 17.30 Uhr der M.S.-Michel zu nähern hatte etwas für sich.
Sonst sind da 200-2000 Aliens mehr zu sehen.

hercules-mod-91k

Links Hercules Mod 91K in zederngrün mit 2gang Automatic A2110.
Rechts Motobecane Mirage II mit 2gang Duomatic R2110.



Der Zerlegevorgang:

hercules-mod-91k-zederngruen

Spezialisten unterhalten sich manchmal darüber ob es sich um ein Steck- oder Klapprad handelt.
Klappräder haben ein Scharnier, das obige Mod 91K wird gesteckt.
Hercules bewarb es original mit der Bezeichnung Klapprad.
Der Mechanismus das Rad zu zerlegen vereinfacht den Transport, er teilt das Rad in zwei Teile.
Ein Knebel an der Sattelstütze ermöglicht eine schnelle Anpassung an die Körpergröße bis ca. 180cm.
Der Sattel rutsch aber langsam in den Rahmen, wenn die Stütze nicht mit Werkzeug montiert wird.
Der Handknebel des Lenkers löste sich von der Verschraubung, das kann repariert, geklebt werden.
Ein Rad zerlegen zu können ist praktisch, es blieb über Wochen wie abgebildet.
Das Rad ist unzerlegt schon klein und gut zu transportieren.




Die Sachs Automatic:

hercules-steckrad-baujahr-1974

Meine erste Aussage, die frühen Automatic haben keine Bandarolen , war falsch.
Die Bedien- und Montageanleitungen von Sachs (auch Erstausgabe 1973) zeigen die roten oder blauen Bandarolen.
Die Automatic schaltet bei Unebenheiten teils wann sie will.
Bei Erschütterungen schert vermutlich ein Fliehgewicht aus, obwohl beide verbunden sind.




Die Datierung:

hercules-mod-91k-datierung

Im obigen Bild sind 4 Markierungen.
An diesen Stellen finden sich Kürzel, die helfen das Herstellungsjahr des Rades einzugrenzen.
Die Rahmennummer am hinteren linken Ausfallende nützt Spezis mit Listen (ich hab keine).
Der Bremshebel der hinteren Nabe hat das Kürzel "SRB" gestempelt (ich nenns Sachs-Rate-Bauteil).

hercules-mod-91k-datierung-union
Der Halter des Union-Dynamos weist Zahlen auf (Danke H.P.).
Kein Lack ab = 100% wie endmontiert.

hercules-mod-91k-datierung-sachs
In der Werkzeugtasche am Sattel ist die Bedienanleitung der Nabe.
Die Sachs Automatic war ab März 1974 im Handel verfügbar.

Die Frage des Baujahres:
Es ist schön zu wissen wann ein Rad gebaut wurde.
Ein 26er NSU-Damenrad aus ca. 1955 hatte 1974 gerade mal Halbzeit gegenüber dem Alter des Hercules.
Ich beschäftige mich gerne mit solchen Vergleichen.
Das Hercules ist aus der Zeit "Spätsommer 74", da werden Erinnerungen wach.



Fazit:
Diesmal etwas länger.

Die klaren Vorteile dieses Rades:
Es ist klein, es ist leicht, es ist schön anzuschauen.

Die Nachteile:
Die Pedale schlagen im Gelände schnell an Erhebungen an.
Einiges Material aus den 70ern wirkt etwas schlicht.
Der Sattel ist grottig, im nahezu Neuzustand fast scharfkantig.
Mit Kriechöl, von unten besprüht, kann er von fürchterlichen Knarzgeräuschen befreit werden.
Ein 20"-Klapprad ist lahm, auch mit 2gang Automatic.

"Das kannst Du wieder verkaufen."
O-Ton der Testerin nach 3 Wochen.
Das ist erstmal ernüchternd, trifft den Nagel aber (zum Glück eingeschlagen) auf den Kopf.

Es ist ein traumhaft erhaltenes Fahrzeug.
Es spiegelt den Zeitgeist wieder.
Die Klappis dienten dem guten Vorsatz sich fit zu halten.
Zusammengeklappt im Mercedes beruhigten sie tausende von Gewissen.
Jederzeit war es bereit für eine sportliche Runde.
Das Hercules kam wohl nicht zu der Ehre, eher der Mercer.


Manchmal sind solche Räder in Sozial-Kaufhäusern für 20,00 Euro zu erstehen.
In den letzten 5 Jahren sind vermutlich 95% der Duo- oder Automaticnaben dann seziert worden.
Der Wert ist eine individuelle Angelegenheit.
Ich habe für die Fotos mit dem Rad drauf mehr Geld ausgegeben, als manch einer für solch ein Rad bezahlen würde.

Klar, irgendwann werde ich es wieder verkaufen.
Bis dahin werde ich das Rad nicht runterrocken.
Den Leuten in der Bucht "...schweren Herzens trenne ich mich von meinem geliebten Hercules..." glaub ich nur ein Wort.