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Fahrbericht Sachs Dreigang.

Datenstand ist 01.02.2012

In der heutigen Zeit kommen Naben in den Handel die kontinuierlich mehr und mehr Gänge haben.
Der Markt verlangt das.
Es gibt Ausnahmen, die sind jedoch nicht in großen Mengen vertreten.
Sturmey Archer hat z.B. mehrere Zweigang-Naben, die haben in Deutschland keine Lobby.
Das mag ja kommen.

Fichtel und Sachs hat nahezu 30 Jahre eine Modellpflege betrieben.
Es sind verschiedene Dreigang-Naben auf den Markt gebracht worden.
Wer lediglich in die Pedale tritt merkt von der "anderen Nabe" im Rad nichts.
Das ist Einstellungssache und mit Nostalgie verbunden für welches Modell sich jeder entscheidet.
Ich baue gerne Räder um, also liegts auf der Hand in ein Rad von 1956 eine Mod55 einzubauen.
Ich fahre jedoch am liebsten Mod515, deshalb ist im folgenden Rad aus BJ55 eine frühe 60er Jahre Nabe.

Die Torpedo Dreigang am Berg
Das Rad kam um 1985 in meinen Besitz.
Ich habe es 2008 verkauft, es kam retour und das ist auch gut.
Die Chromgabel hat es durch eine frühere Reparatur vor 1980.
Das Rad ist vor ca. 2 Jahren überholt worden mit folgenden Umbauten:
Die Torpedo-Freilauf wich der 515.
Das Tretlager ist ersetzt durch ein Glockenlager Lagerware Renak.
Die Pedale sind Vorkriegsware, ich habe eine Vorliebe für breiten Kontakt am Schuh.
Die Lichtanlage ist von Radsonne, gabs 55 noch nicht.
Der Sattel ist ein Damen Schwinge-Modell, ich mags - mancher nicht.
Die Pumpe mit Holzgriff ist neu.
So sah es aus (inkl. Anmerkungen und Theorie).



Der klassische Dreigangschalter und seine Funktionen.

Fahrradoldtimer Schaltansteuerungs-Standardkonversation:
"Ich hatte früher mal einen Schalter aus Metall."
"Meinen Sie den roten von Fichtel und Sachs?"
"Ja genau, der erinnert mich an Oma Lüttichs Rad, den möchte ich haben..."

Dreigang in den ersten Gang schalten
Dieser Schalter war schon gut 30 Jahre im Einsatz.
Der gehört zeitlich zur Torpedo Mod515.
Er besticht durch eine klare Aussage bzgl. der Gangwahl und Ansteuerung.
Wer mit einem Rad umgehen kann kommt mit dem Schalter zurecht.
Die unterschiedlichen Modelle sehen Sie hier .
Hier sehen Sie ein PDF, die Sachs-Explosionszeichnung von früher.
Hier ein weiteres PDF zu den ehemaligen Einzelteilen.

Torpedo Dreigang Gänge hochschalten
Wer das Prinzip Runterschalten versteht hat auch beim Hochschalten schnell Erfolgserlebnisse.

Torpedo Dreigang Leerlaufstellung
Unaufmerksamen Radlern sei die Markierung zwischen III und II ans Herz gelegt.
Das ist die Leerlaufmarkierung, nicht zu verwechseln mit dem Freilauf.
Die Dreigangnabe 515 gibts zwar auch als "Freilauf 415 ohne Bremse", aber die hat auch einen Leerlauf.
Wenn der Schalter in diese Stellung gebracht wird drehen die Kurbeln frei nach vorne und hinten.
Das ist angedacht um die Gänge richtig einzustellen.
Es hat aber den Nachteil des Bremsverlustes bei falscher Einstellung.
Wird der Schalter mit einer H3111-Sachsnabe verwendet ist das nicht möglich.
Diese Nabe ist bauartbedingt ohne Leerlauf.

Sehen Sie hier einen kleinen Film zum Schaltvorgang.
(12MB laden und im Player anschauen)



Die drei Elemente der Dreigang

Die Übersetzung:
Das Vaterland hat die Übersetzung 46 / 21.
( Kettenblatt-Zähnezahl / Ritzel-Zähnezahl )


Das Übersetzungsverhältnis:
Das ergibt sich durch 46 : 21 = 2,19.
Dieser Wert gilt für den 2ten Gang (Mod515) der 1 : 1 wirkt.
Das verhält sich dann wie bei einem 1gang Fahrrad.


Die Entfaltung:
Das ist der Weg den das Rad zurücklegt bei einer Kurbelumdrehung.
Das ergibt sich durch den Abrollumfang des Reifens. (28 Zoll = 2,15 Meter)
Dieser Wert mit obigen 2,19 multipliziert, dann ist die Entfaltung = 4,71 Meter.
Bei einem Kettenblatt mit 52 Zähnen würde ich dann hinten ein 24 Zahn-Ritzel montieren.
Dann wäre das Übersetzungsverhältnis wieder annähernd gleich.





In der Praxis:
Es ist möglich sich dem Optimum rechnerisch zu nähern.
Ich fahre die Kombination jedoch bedingt durch meine Erfahrungen.
Ein viertes Element sollte berücksichtigt werden.
Das ist die Trittfrequenz. Die Häufigkeit der Kurbelumdrehungen pro Minute
Ich kann das Übersetzungsverhältnis um 2,2 auf Touren gut halten.
Ich bin ein langsamer Radler und empfinde den 3ten Schnellgang noch etwas zu schwer.
Der "Praktiker" probierts im 2ten-Gang aus.
Wer bei der Dreigang sich am 3ten-Gang orientiert, "erntet" sozusagen 2 Berggänge.





So fahre ich die Dreigang Mod515.


Wenns gut läuft...


Bei Steigungen bleibe ich erst sitzen und fahre den 3ten-Gang.
Ich schalte in den 2ten-Gang reduziere die Geschwindigkeit und versuche meine Trittfrequenz zu halten.
So verfahre ich auch beim 1ten-Gang.

Wenn ich aufstehe schalte ich vom 1ten in den 2ten-Gang.
In der Regel geht das bei mäßiger Steigung gut und ich erreiche wieder meine Trittfrequenz.
Bei stärker werdender Steigung verbleibt der 1te-Gang zum "nachlegen".

In hügeligem Gebiet macht es Sinn bergab Schwung zu holen.
Ich achte aber darauf nicht meine Trittfrequenz zu überfordern.
Dazu nähere ich mich dem Kraftpunkt durch leichtes mittreten.


Wenns schlecht läuft...













Mein Rückblick auf maue Rücktritt-Bremsleistungen der 515





dreigang-mod515-korsika1988
Drei mal Dreigang im Dauereinsatz.
Auf damals von mir gefahrene Nabe 515 habe ich hier Zugriff und werde sie zerlegen.

Die Bremsen
und wie ich versucht habe die damals schon alten Räder nicht total zu verbasteln.

In den 80er Jahren gab es eine starken Umbruch in der Radszene.
Das MTB zog mit seinem puristischen Geländeflair bis in die Städte ein.
Daraus entwickelten sich sogenannte ATBs. All-Terrain-Bikes.
Das waren teils schön (wie MTB) aussehende Fahrräder.
Oft hatten die 28"- nicht wie MTBs 26"-Laufräder.
Ein ATB war ideal für lange Reisen. Für mich kam das aber nicht in Frage.
Ich habe die damaligen Alltagsräder überholt und mein Augenmerk verstärkt auf die Bremsen gelegt.

dreigangrad-mit-drei-bremsen
Die Dreigang war eine gängige Schaltungsnabe mit einer akzeptablen Rücktrittbremse.
5gang Pentasport war gerade mal 1-2 Jahre auf dem Markt.
Die kam für mich auch nicht in Frage, da ich zu wenig Ahnung davon hatte.
Unsere angestrebten Tagesetappen lagen bei 20-60 Kilometer am Tag.
Somit war genug Zeit Richtung Südeuropa mit dem Sommer in den Herbst zu fahren (Aug-Dez).
Meine ersten Versuche den Berg rauf waren mit Ritzeln jenseits 20 Zahn erfolgreich.
Allerdings stellte sich heraus, die Bremsen sind zu schlecht.

trommelbremsen-im-reiserad
Das Damenrad (links) hatte nach dem Umbau drei Bremsen.
Die Rücktritt-, die Stempel- und eine nachgerüstete Trommelbremse.
Die Wulstfelgen blieben im Rad.
In der Mod515 ist ein neuer Bremsmantel montiert worden.
Das gleiche Prozedere hat auch das Lastenrad (mittig) erfahren.
Vorne ist eine Mopedtrommelbremse zu sehen.
Die war auch bei der Abfahrt (Alpenquerung vom Splügen runter) immer nur lauwarm.
Aus der Dreigang lief das Öl wie Wasser, ich habe selbiges ca. fünf mal durch den Schmiernippel nachgefüllt.
Eine Spritze gehörte zum Bordwerkzeug.




Mein Freund fuhr damlas voll "up to date" H3111.
Mit oben verlegtem Bowdenzug.
Wenn der erste Gang nicht richtig rein ging (Gepäck klemmt) sah ich ihn öfters am Zug reißen.











Die Dreigang - das Bäckerrad
und der Splügen



Meine Erinnerungen an die Alpenfahrt sind romantisiert und erscheinen mir wie aus dem Nebel.


Ich fands damals cool mit einem "Flypack" zu reisen.
Das ist der Rucksack hinten auf dem Gepäckträger.
So stand auch mal einer Wanderung in den Bergen nichts im Wege.
Ebenso konnte bei einem Hotelaufenthalt die Erscheinung als Rucksack-Tourist etwas kaschiert werden.
Mit einer Abdecklasche konnten die Tragegurte verpackt werden.
Das Flypack ist inzwischen Schrott.
Das Rad noch nicht, es hat sich mit mir verändert.

dreigang-mod515-spluegen
Damals gab es als größtes Ritzel das 24-Zahn von Fichtel und Sachs.
Mod 515 (frühe Ausgabe) ermöglicht die Montage von 2 Ritzeln . .
Ich fuhr damals 19 Zahn und 24 Zahn.
Die Kette wurde von Hand umgelegt, die 2x3 war nicht mein Ding .
Von Hand umlegen ging so:
Hinterrad lösen, Kettenschloss öffnen,
Kettenstück mit zweitem Kettenschloss montieren,
Kette spannen, Testfahrt... fertig.
Das habe ich in 4 Monaten zwei mal gemacht.
Vor dem Harz und vor den Alpen.
Heute würde ich 21 Zahn und 28 Zahn montieren.
Ansonsten sehe ich keine Hürde selbige Tour wieder zu machen.
An der Art wie ich eine Dreigang fahre, gab es seitdem wenige Veränderungen (siehe oben).
Der Splügen ist schwer .
Er ist aber vom Bodensee aus (den Rhein hinauf) leicht zu erreichen.
Fahrend oben am Pass anzukommen ist ein Frage der Einstellung.
Nach einer Querung durch Deutschland ist das vorherige Training sicher erledigt.
Die Abfahrt ist der kitzlige Punkt.
Vom Bodensee bis zum Comer See war ich ca. 6 Tage unterwegs.
Bis zum Pass oben dauerte es gut 4 Tage, die Abfahrt ist dann in 1,5 Stunden erledigt.
Die Zahlen haben nichts mit meinem Sportsgeist zu tun.
Meine Betrachtungen gelten hier den Spannungsspitzen.
Die Tretlagerwelle war durch den permanenten Wiegetritt gebrochen.
Der Dreigang hat die Quälerei nichts gemacht.
Behaupte ich hier mal so locker.
Sie lief noch weitere Jahre .











Die Dreigang - Betrachtungen zur Abnutzung.
Diese Nabe wurde nur mit Öl gefahren.







Es folgen:
Nabeninnenteile die entgegen der Sachs-Schmiervorschrift versorgt wurden.

verschleiss-mod515-oelschmierung
Ich habe die Dreigang-Nabe Mod515 damals mit KFZ-Hinterachsöl gefahren.
Das Öl im obigen Foto sind die Reste die in der Nabe ca. 20 Jahre verblieben sind.

verschleiss-mod515-achsenvergleich
Rechts eine Lagerware Achse, links die Achse aus obiger Nabe.
Das ist ein gutes Ergebnis.
Ich bin selbst erstaunt, zumal die Nabe hart gefahren wurde.

verschleiss-mod515-lederstaub-dichtung
Die Nabe wurde von mir mit Lederdichtungen ausgestattet.

verschleiss-mod515-kugelringe
Im Kugelring des Antreibers finden sich Abriebreste und Staub.
Verdickt (gemischt mit Öl) wie bei Naben die mit Fett gefahren werden.

verschleiss-mod515-bremsmantel-gebraucht
Der Durchmesser des in der Nabe genutzten Messingbremsmantels.

verschleiss-mod515-bremsmantel-neu
Der Durchmesser eines neuen Stahlbremsmantels.

Da ich die Nabe "nur" mit Öl gefahren habe bremste das Rad schlecht.
Das Laufrad lag gut 10 Jahre rum, das wird sich nun ändern.

Bäckerfahrrad-Traktor
Ich gehe zurück zu den Wurzeln und rüste mein Lastenrad wieder auf diese Nabe um.
Original (bei Kauf) war darin eine Torpedo-Freilauf.
Dann folgte obige 515 für die Reise.
Danach kam der Rückbau auf Torpedo Zweigang.
Ich wollte das Rad eher kalendarisch aus einem Guss.
Ich benutze das Rad aber als Traktor, dafür ist die Doppeltorpedo zu zart.



Mein Fazit zum Öl, Fett und Bremsleistung.

Bei meinem VW-Käfer galt.
"Kipp lieber Altöl rein als ihn trocken zu fahren".
Bei der 515 ebenso!
Wer garkeine Bremse will greift zur 415 .
Eine 515 auf 415 umbauen geht auch, mir ist das zu mühsam.
Ich werde obigen Messingbremsmantel nun mit Vaseline versorgen.
Und ihn damit nach Jahren in seine Funktion rückversetzen.
Wenn er schlecht bremst ist er abgenutzt und fliegt in den Müll.
Der Durchmesser ist nur bedingt eine sichere Aussage zur Verwertbarkeit.
Kompatibel ist der noch erhältliche Stahlbremsmantel der H3111.
Ebenso der Bremsmantel der SRAM T3.