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Die Bremse der Sachs Freilaufnabe und deren Verbesserung (bedingt möglich).


Datenstand ist 23.01.2018

Torpedo Freilauf Bremsvorgang

In der Fahrposition drückt der Antreiber die Walzen gegen die Nabenhülse und das Rad fährt.
In der Bremsposition drückt der Walzenhalter den Bremskonus in den Bremsmantel,
der spreizt sich und drückt gegen die Nabenhülse und das Rad bremst.

Der Messingbremsmantel hat lediglich eine Dehnfuge, bauartbedingt schleift der asymetrisch ab.
Der Stahlbremsmantel hat 2 Dehnfugen.



Torpedo Freilauf Bremsmantel

Messing-Bremsmantel:
Der Messingbremsmantel ist aus der Torpedo-Freilauf der 60er Jahre und davor.
Der Durchmesser beträgt bei einem neuen Bauteil 33,8mm.

Stahl-Bremsmantel:
Der Stahlbremsmantel rechts ist aus einer Nabe ab 1972, da wurde zur Erhöhung der Bremskraft das Material geändert.
D = 33,8mm.
Der untere ist ein Replika aus der Favorit und ist kompatibel.
D = 33,8mm.



Die drei Möglichkeiten die (Motor-) Torpedo-Bremse zu erneuern.

drei-varianten-eine-fsbr-motortorpedo-bremse-zu-erneuern
drei-varianten-eine-fsbr-motortorpedo-bremse-zu-erneuern.jpg



Vorwort zur schwachen Bremse:
Das Auto wär vermutlich schon 1979 nicht mehr durch den TÜV gekommen.
Die ca. 30 Jahre später auftauchende Frage lautet wie folgt:
Meine Torpedo bremst schlecht, was kann ich tun?
Manchmal bekomme ich auch Anrufe:
Meine 98ccm-Sachse soll nur beim TÜV bremsen, wie kriech ich das hin?



Abhilfe, auf dem Weg zu guten Bremsungen:
Es gilt zu unterscheiden, ganz egal welche Variante von Torpedo.

Nutzen Sie ein Fahrzeug stetig im Alltag, erneuern Sie den Bremsmantel.
Ich schwör auf Messing, Sparfüchse wechseln lediglich die Beläge.
Messing-Bremsmäntel wirken dynamisch, irgendwie weicher.
Neue Beläge haben einen guten Druckpunkt... bis zur Blockade und Driftbremsung.
Stahlbremsmäntel sind bissiger, gut für Urban-Arbeit-Torpedos.
Neigen bei starker Abnutzung zur Ruckzuck-Blockade.

Nutzen Sie ein Fahrzeug (mit schlechter Bremsleistung) für gelegentliche Oldtimer-Ausfahrten.
Wenn eine Stahlbremsmantel schon verbaut ist, erneuern Sie den Bremsmantel und nutzen Stahlbremsmantelfett.
Wenn eine Messingbremsmantel verbaut ist, Quernuten reinflexen, dünn Vaseline draufschmieren.



Fazit:
Kann ich auch was andres als das damals von Sachs spezifiziert und empfohlene Schmiermittel nehmen?
Ja klar...

















Erfahrungen mit Rücktrittbremsen von F&S-Naben.
Endlich:
Gesicherte Erkenntnisse treffen hier auf Vermutungen.



Vorwort:
Der Test ist nicht von mir.
Ich sag Danke an den Material-Spender.
Ein alter Werbeslogan taucht mir die letzten Tage (während der Vorbereitung zu diesem Bremsbericht) im Kopf auf:
"Funktionsstabil bis zur Rotglut."
Das meinten die damals so.
Könnte aus "Radmarkt und Reichs Mechaniker" sein.
Wer bei diesem Bericht den Humor nicht ganz verliert ist hier goldrichtig.



dauerbremsung-torpedo-nabe-mit-200kg
Wenn Sie dieses Gespann in den Alpen auf einem Pass erkennen:
"Haben Sie ganz klar diesen Bericht gelesen, möchte ich Sie bitten innerlich Danke zu sagen."
Im Zusammenhang mit dem E-Mailkontakt, der zu dieser Veröffentlichung führte,
bekommt dieses Fahrzeug hoch oben in den Bergen einen tieferen Sinn.
Ansonsten könnte man meinen der Typ muss sich unbedingt spüren.
Ich ziehe hier meinen Hut.
Es sind drei Bremstests durchgeführt worden.
Inklusive genauester Aufzeichnungen.
Das ist sehr wertvoll für mich.





Test 1.
Ganzer Pass (ca. 7KM) mit zu ca. 70% Dauerbremsung der Hinterradnabe.
Ohne Zusatzgewicht, d.h. Gesamtgewicht 90KG.
Keine Verfärbung der Hinterradnabe, Bremswirkung stets gut,
Temp. 115°C (gemessen am austretenden Fett).
Keine Defekte beim Zerlegen

gerlospass-bremse-1941
Das bestätigt meine Vermutungen zu dem mir vorliegenden historischen Material.
Oben sehen Sie ein Foto aus einem Album aus 1941.
Zwei junge Männer unterwegs: 560KM von München zur Großglocknerstraße und retour.
Die hatten keine andere Möglichkeit als mit Stempel- und Rücktrittbremsen zu reisen.
Es war normal, es waren ja auch ganz normale Räder.





Test 2.
Hinterradnabe neu eingefettet.
Zusatzgewicht 115, d.h. Gesamtgewicht 205KG.
100% Dauerbremsung
Nach 0,63 KM und 3 Min 152°C (gemessen am austretenden Fett), Braunfärbung der Nabe
Nach 2,00 KM und 8 Min 182°C (Messung dauerte gut 2 Min)
Nach 2,24 KM und 11 Min 218°C gemessen am austretenden Fett

Beim Zerlegen, Bremskonus passt nicht mehr optimal in den Bremsmantel.
Alle Teile im Inneren stark geschwärzt.
Trocken und staubig "Metall wirkt auf Metall".





Test 3.
Hinterradnabe neu eingefettet, neuer Bremskonus montiert.
Zusatzgewicht 115, d.h. Gesamtgewicht 205KG.
100% Dauerbremsung
Gesamtstrecke 2,8 KM in 12 Min.
Nach 1:40 Min entsteht die erste Rauchentwicklung (Video ).
Nach 3:50 Min Blaufärbung der Nabe in der Mitte.
Nach 4:30 Min erstes Klemmen der Nabe (Video ).
Nach 9:30 Min Blaufärbung der Nabe zu 70%.
Nach 12:00 Min "Weichwerden der Bremse", Fahrt wird gestoppt (Video ).
Nach weiteren 5:00 Min kann das Rad nicht mehr gedreht werden, evtl. steigt die Temp. durch Stauhitze.
230°C das Gerät zur Messung schaltet ab (mehr gibt es nicht her).
Beim Zerlegen, alles wie verkohlt.
Der Bremsmantel lässt sich nur mit dem Hammer und Schraubendreher lösen.

bremskonus-blockiert-das-rad
Die Vermutungen (vom Spender und mir):
Der Bremskonus führt durch seine Kantenschäden zur Blockade des Rades.
Übrigens, die Nabe lief nach einer Neufettung schlecht.
Die Bremse wirkt sehr plötzlich und extrem metallisch, aber die Nabe läuft.















Auf zum Fuscher Törl: Die Auffahrt und die Schiebung.

Vor der Abfahrt steht die Auffahrt.



Die Großglockner Hochalpenstraße wird schon aus der Ferne beworben.
Kurze Vorabinformationen im Internet bereiten einen gewissentlichen Fahrradfahrer vor.
Je mehr wir uns der Zahlstelle näherten, desto deutlicher wurde mir worums dort nebenbei geht.
Um verdammt viel Geld.
Tausende motorisierte Fahrzeuge haben an der Bezahlstelle 20-30 Euro zu lassen.

Für Radfahrer ist die Nutzung der Straße gratis.
Vor 9.00 Uhr machts Freude.
Ab 10.00 Uhr überwiegen Fahrzeuge "wie an einer Perlenkette aufgeschnüret".




Wer sein Rad liebt schiebt.
Downhill-Rad (nicht zu sehen, war immer weg), fuhr stets.
Andros Rennrad mit Campa-Ausstattung, schob fast nie.
Sachs H3111 mit Bergritzel, schob ca 85% des Anstiegs.
Shimano Nexus 8gang, schob ca. 90% des Anstiegs (der erste Gang ging nicht rein).
Torpedo Freilauf, ich schob 98% des Anstiegs.


Kehren an der Glocknerstrasse
Durchgängige 12% Steigung.
Die Glocknerstraße bot mir mit ihren Kehren echte Abwechslung.
Ich konnte dort immer mal wieder für ein paar Sekunden Fahrrad fahren.


andros-campagnolo-neben-nexus-8gang
Mit dem Andros verhielt sich das anders.
Der Fahrer bezeichnete die Auffahrt wie "Rührteig kneten".


andros-rennrad-campagnolo
Rechenkünstler sitzen über Stunden am Schreibtisch und grübeln...
Ich vertrete nach wie vor die Meinung.
Die Übersetzung ist eine individuelle Angelegenheit.


pallas-am-fuscher-toerl
Ich weiß aus Erfahrung:
Um mit der Torpedo Freilauf 12% Steigung zu fahren, bedarf es hinten eines 28-32er Ritzels.
Und das bei 46-Zahn Kettenblättern, das bezeichne ich jetzt kühn als "Glockenlager-Standard".

Mir sind zig Leute bekannt, die würden ein Fahrrad mit der Kombination 46/28 einfach ins Tal werfen.
Um es denen nicht gleich zu tun, habe ich hinten ein 23er Ritzel montiert.
Ich hätte aber locker das 21er nehmen können, das war montiert.
Das ändert bei durchgehender 12% Steigung nämlich garnichts.

21-23 Zahn bei Glockenlager Standard ist eine gute Wahl.
Mit 21 Zahn würde ich jeder Zeit eine mehrwöchige Fahrradtour starten.
Auch 23 Zahn ist im Alltag gemütlich fahrbar.
Mit Sicherheit aber nicht über lange Strecken.


sattel-fuscher-toerl
Kommentare zum Erlebnis als Radfahrer an der Glocknerstraße:

Die Strecke bis zur Kaiser-Franz-Josef-Höhe wird als "Radtour Königsetappe Österreichs" bezeichnet.
Der Bau in den 30er Jahren war eine Meisterleistung.
Am Fuscher Törl wird den verunglückten Bauarbeitern gedacht.

Wer früh mit dem Rad aufbricht und fit ist, kann vor dem Fahrzeug-Ansturm oben sein.
Um die Mittagszeit gleicht das Treiben einem Event.
Ich habe mich diesem Treiben hingegeben.
Das hatte mit meinen Vorbereitungen zur Abfahrt zu tun.

Meine Gedanken kreisten um so banale Dinge wie:
Stempelbremsbelag
Messingbremsmantel
Vaseline
Starke Schmerzen durch Sturz





Die Abfahrt und die Bremsungen an der Glocknerstraße.


Meine Vorbereitungen gingen über Jahre.
Ohne Schaden unten ankommen, das war die Maxime.
Dazu gehören zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremsen.
Die Dauer der Vorbereitungen mag verwundern.
Die Finanzierung ist verbucht, sie ist ein (die Zeit) beeinflussender Faktor.


Das wollte ich erreichen:

Die Torpedo nicht zu Schrott fahren.
Gegenbeispiele finden Sie hier .

Die Stempelbremse in kurzer Zeit an die Leistungsgrenze bringen.
Einen "Langzeit-Bremstest" sehen Sie hier .

Da es bei der Abfahrt trocken war, waren beide Ziele möglich.
Bei Regen liegt die Leistung der Stempelbremse bei Null.
Selbst feuchte Stellen auf dem Asphalt sind mit absoluter Vorsicht zu durchfahren.
Ich bleibe bei meiner Aussage:
Eine Reise mit Alpenquerung würde ich mit einer Stempelbremse scheuen.
Zu Testzwecken (meiner Firma Scheunenfunde dienlich) war das durchaus eine pfundige Angelegenheit.


sachs-fahrradnabe-1927-zuerich-berlin
Eine Torpedo Weltmeister aus 1927.
Die Nabe wurde vor der Abfahrt von mir frisch geölt.
Den Messingbremsmantel habe ich mit Vaseline versorgt.

Sachs-Fahrradnabe-1927 Bremstest am Glockner
Alle 400 Höhenmeter habe ich die Nabe während der Abfahrt mit Vaseline nachgeschmieret.
Der Schmierstoff gelangt durch den Helmöler zum Bremsmantel.
Hier ein Video zum unkomplizierten Vorgang . 7,7 MB
Da die Nabe heiß war, floss das Zeugs wie Butter aufs frisch geröstete Toast.

Auch wenn das eingedrückte Material wieder zügig verbraucht wird.
Es fühlet sich gut an.
Die Torpedo bleibt am Leben!

Die Vaseline dringt während der Weiterfahrt, zwischen Nabenhülse und Hebelkonus, wieder aus der Nabe aus.
Die Nabe wurde einmal von mir sogar mit Quell-Wasser runtergekühlt.
Zur Freude-Verbreitung der Reisegruppe hat es echt ordentlich gedampft.

Fazit:
Die Nabe hat stets mit bester Wirkung gebremst.
Das Fahrrad fährt sich noch immer gut.
Ein "Loch" zum Innenleben ist notwendig um eine Nabe zu versorgen.
Über Klapp- oder Helmöler ist das sehr gut durchführbar.
Moderne Brems-Naben machen es einem da wirklich schwerer.
Sie haben keine Versorgungs-Öffnungen.