1937 bis 1941: Der Fahrradweg mit meinem Freund Hauni bis zur Glocknerstraße.
Meine virtuelle Fahrradtour.
Sie wird sich stets verändern.



Datenstand ist 19.10.2012



Vorwort:
Die folgende Geschichte ist ein Resultat meiner Sammlung.
Sie basiert auf von mir gekauften und geerbten Büchern.
Verwendet wird nebenbei Fahrrad-Fachliteratur aus den 30er und 40er Jahren.

Ich gebe hier Einblicke in Erinnerungen meines Vaters Sönke Hansen.
Seine Erzählungen, mischen sich in mir, mit der erfundenen Geschichte um die Freundschaft zweier junger Herren, die 1941 in die Alpen radeln.

Dellien 27.12.2009, Jens Hansen









Mitte der 30er Jahre gestalteten sich unsre Gruppenfotos noch durch versprühende Laune.

Billstedter Jungs 1937
März 1937: Links Werner, dann Heinrich und neben mir Hans, meine damaligen Freunde und ich.



Ich bin Sönke Hamester und wohnte damals in Öjendorf bei Hamburg.

Ich fuhr das alte Arbeits-Rad von Vater.
Großvater sagt immer es sei die alte Hamburger Marke "Panzer".
Ich konnte davon nichts erkennen, es war schwarz übergemalt.
Dieses Fahrrad ist mir Anfang des Krieges gestohlen worden.



Mein guter Freund Werner Haunstein, er wohnte in Kirchsteinbek.
Wir sagten alle "Hauni" zu ihm.

Werner hatte ein eigenes Wanderer-Fahrrad, er hatte das vom Vater übernommen.
Es hatte eine Nabe mit 31er Gravur.
Es war das Rad mit dem wir dann auch 1941 von München zu Großglocknerstraße gefahren sind.



Heinrich Möller, von allen Hein genannt, fuhr später zur See.

Er hatte nichts am Hut mit Rädern...



Hans Baumgarten fuhr wenig Rad.

Bei gemeinsamen Unternehmungen lieh er sich das Bismarck seines großen Bruders.
Die Marke erinnere ich wegen dem Mann mit Hut auf dem Marken-Schild.








Juni 1937: Internationale Deutschlandfahrt



Tagebucheintrag vom 12.06.1937


Lichtspielhaus Wandsbek.
In der Wochenschau ging es auch um Radsport und die Deutschlandfahrt.
Bautz fährt ein Rad mit Dreigang-Schaltung und Schalter am oberen Rohr.
Ich sehe das zum ersten mal.
Die Deutschlandfahrt in Ihrer Etappe Chemnitz nach Erfurt wurde gezeigt.
Das Rennen führt auch über Hamburg nach Berlin.
Ich möchte unbedingt Bautz + Geyer sehen. Und natürlich die Schaltung.
Deutschlandfahrt 1937 Radrennsport
Quelle F&S Kalender 1938

Einige der Fahrer fuhren mit Dreifachzahnkränzen an denen die Kette
Sachs Leichtmetall-Freilaufnaben 1937
noch von Hand umzuspannen war.


... beim folgenden Bild, die Oberrohrschalter sind knapp zu erkennen.
Deutschlandfahrt 1937 Radrennsport

Tagebucheintrag vom 19.06.1937
An den Elbbrücken, Ankunft der Fahrer.
Ich kaufe mir eine Karte von "Geyer."

Deutscher Radrennfahrer Ludwig Geyer, Teilnehmer der Deutschlandfahrt 1937
Ein Erinnerungsstück...
Bleistiftvermerk hinten: erworben Samstag 19.06.37.








Juli 1937: Tour de France
Hans zieht nach Frankreich, uns bleibt der Briefwechsel.


Hans formulierte das damals so:
Lieber dort leben, wohin die Seuche sich erst langsam ausbreitet.
Das waren mehr die Worte von Hansis Vater, die Tragkraft ist mir aber erst viel später bewußt geworden.


Bellac 1936


Morichon aus Bellac 1937, zweiter von links

Hans versorgte uns beständig mit Fahrradinformationen aus dem Nachbarland.








Freundschaften entstehen...
Unsere große Fahrrad-Wanderzeit.



Wir machten unsre ersten eigenen Wanderfahrten.
Wir hatten große Ziele und strebten nach hohen Taten.





Erinnerungen an ein Gruppe jüngerer Gleichgesinnter.









Manchmal begleitete ich Hauni zu den Formationen "Heile Jungs".
Er las Bücher wie: Weltgeschichte an der Saar, von Kalle Knartz 1935.
Einige Jahre später folgte: Werk und Mensch, von Hermann Flieger Hemdsärmel 1937.
Das war nicht immer Thema, aber es lag eindeutig auf der Hand.
Mein Freund entwickelte sich zu einem Faschisten.





Er trug immer feinste Utensilien bei sich und war stets flüssig.

Ich bin in der glücklichen Lage hier sein altes Bosch-Radfahrer-Buch von 1941 zeigen zu können.
Hauni zog es im letzten Jahr seiner Ausbildung in den Harz.
Das war ein Bestandteil der Lehre bei einer Hamburger Großeinkaufsgesellschaft.
Wir deuteten das damals als Strafversetzung.
Allerdings kam die erst nach unsrer Glockner-Reise.








Freundschaften gehen...
1941: Auszüge aus dem Fotoalbum der Radtour mit meinem Freund Hauni.


zell.a.d.ziller

gerlos-pass

nach-gerlos

glocknerstrasse

glocknerstrasse-lawinen

Kurz nach unsrer Tour wurde Hauni zur Wehrmacht gezogen.
Er ist Jahre später in Frankreich gefallen.
Auf welchem Soldatenfriedhof er liegt ist nicht nachgewiesen.
Er ist für den Faschismus im besten Glauben gegangen.
Mir fehlen unsre Streitereien für eine bessere Welt.








Meine "historische Radtour" war eine Begegnung mit der Vergangenheit anderer Menschen.
Selbiges blieb dann auch hinter mir.


Übrig blieben das Abenteuer mit Freunden und meine Tests für Scheunenfunde.
Das fühlt sich gut an!

nach-gerlos
Kraftfahratlas aus 1935, die Glocknerstr. war noch im Bau.

Über einen langen Zeitraum lief meine Planung.
Die Basis bildete eine Radtour zweier Herren vom 1.- 8.6.1941.
Dokumentiert durch ein Fotoalbum mit der Inschrift "München-Glocknerstraße-München".
Meine Reise in die Vergangenheit wendete sich, während ich vor einigen Tagen in ihr drin steckte, schlagartig in die Gegenwart.
Das ganze alte Geraffel ist nur Makulatur, mir machts lediglich Freude mich mit dem Kram zu beschäftigen.


1941-im-vergleich-2012
Zillertal, Schlitters

Die Spurensuche, das gebe ich gerne zu, war eine spannende Angelegenheit.
Teilweise hat sich die Umgebung nach über 70 Jahren nur marginal geändert.


zell.a.d.ziller-2012
Zillertal, Zell am Ziller

Die Natur verändert sich und der Mensch verändert die Natur.
Einge Standorte mit Fotos der beiden Herren gibts garnicht mehr.


uderns-zillertal
Zillertal, Uderns

Das Foto hatte Fernweh in mir geweckt.
Das Fernweh hab ich gestillt.
Die Stelle ist unauffindbar.

Oberhalb von Gerlos sind ganze Landstriche in einem Stausee verschwunden.


Mein Fazit, August 2012:
Die Vorbereitungen, zu allem was auch nur irgendwie mit dem Fahrrad zu tun hat, machen mir irre Freude.
Die Umsetzung war ein weiterer Schritt.
In diesem Fall danke ich Vollbartshausen und Co.
Am Fuschertörl zusammen anzukommen, das war echt ein gutes Ding und notwendig in meinem Leben.





Nachwort:
Ich möchte hier darauf hinweisen.
Ich verachte den Faschismus.
Freundschaften zwischen Nazis und Maulhaltern sind denkbar.