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Historie Fichtel und Sachs
Freilaufnaben, Torpedo Rücktrittnaben

Datenstand ist 23.05.2016


Da war ein Werbe-Experte und Rechenkünstler am Werk.



Entwicklung der Freilaufnabe durch Ernst Sachs ( Lobgesang und Huldigung ).
Jahreszahlen zur Person und Werksgründung mit Herrn Fichtel

Vorwort:

Ernst Sachs hat das Kugellager im Fahrrad nicht erfunden, jedoch weiterentwickelt und prägend zur Verbreitung beigetragen.
Sein Bestreben im ausgehenden 19ten Jahrhundert galt einer Nabe die Antrieb, Freilauf und Bremse in sich vereint.
Was für uns heute so selbstverständlich erscheint, war Anfang des 20sten Jahrhunderts eine Sensation.
Die Torpedo Freilauf wurde dann nahezu 90 Jahre unverändert hergestellt.
Die Qualität ist gut, viele Naben verrichten seit den 50/60er Jahren klaglos ihren Dienst, ohne
das Bewusstsein des Radlers, was für eine Nabe da immer noch läuft.


Ernst Sachs:

Geboren am 22.November 1867 in Konstanz am Bodensee. Er hatte 4 Geschwister.
Der Großvater hatte einen Handel mit Speise- und Rüböl. Der Vater war Schreiner und hatte eine Sägerei, in den 1860er Jahren
mit einer 70köpfigen Belegschaft. Die Mutter war eine Färberstochter.
Ernst Sachs beendete mit 13 Jahren die Schule durchschnittlich, ging dann noch 1 Jahr in eine Kantonsschule in Zürich.
Danach begann die Lehrzeit in Stuttgart in einer Fabrik für Laubsägemaschinen. E. Sachs war dort unterfordert und wechselte
mit Unterstützung des Vaters zur Firma Schneider im Schwarzwald. Dort wurden Werkzeuge zur Uhrenfabrikation hergestellt.
Die Lehrlingsprüfung vollzog E. Sachs nach 1 1/2 Jahren ausgezeichnet.
Ein Stellmacher aus Schwenningen baute sich durch die Kunde um die Hochräder eines selber aus Holz.
Dieses fuhr E. Sachs leihweise, ebenso das zweite des Ortes, ein englisches Hochrad. (Das war wohl ausschlaggebend.)
Vor dem zwanzigsten Lebensjahr vollendete E. Sachs, nach mehrjährige Tätigkeit bei der Firma Boley in Esslingen,
die Konstruktion einer Präzisionsfräs-Maschine für Tresorschlüssel. Sachs verdiente Geld und baute sich sein erstes Hochrad,
gefolgt von einem 2ten aus Stahl mit Vollgummireifen. Zu der Zeit waren in Deutschland ca. 1000 Menschen beschäftigt mit der
Herstellung von Fahrrädern. Das waren keineswegs Gefährte für das allgemeine Volk da sie viel zu kostspielig waren.
E. Sachs zog nach Frankfurt/M., arbeitet bei der Firma Lorch Schmidt und verdiente gutes Geld um sich ein Hochrad zu kaufen.
Das war die Zeit der Velocipedclubs. Im Palmgarten wurden Rennen gefahren und E. Sachs hat viele Preise gewonnen.
Angehende Fabrikanten der Opel- und Adlerwerke waren seine Sportsfreunde. Die 80er Jahre brachten damals viele industrielle
Bestrebungen hervor. Das Velo war ein aufkommendes Verkehrsmittel.
Bei einem Dreiradrennen verunglückte der Sportler sehr schwer und war viele Monate ans Bett gefesselt.
Er lernte Frau Barbara Höpflinger kennen mit der er nach Schweinfurt zog.


... mit Gemahlin und Mutter.

Das Bestreben galt dem leichteren Lauf des Fahrrades. 1894 erhielt E. Sachs das Paten Nr. 84193 einer Fahrradnabe mit
verschiebbarer Kugellauffläche. Er fertigte seine Naben mit einer Drehbank durch Tretantrieb.


patent-84.793-grafik-abmessungen

Es muß noch leichter gehen... Ernst Sachs Motto.
Oben die erste "Schweinfurter Patent-Präzisions-Nabe" vom 23.11.1893.

Anmerkung: Mir bieten sich diverse Quellenangaben von Sachs mit unterschiedlichen Daten.


1895-schweinfurter-tagblatt
Die erste Werkstatt kam aus dem Familienbesitz der Familie Höpflinger.
Herr Fichtel war als Kaufmann die Ergänzung und der Gegenpol. Er hatte mehr Geld.
1898 wurde mit der ersten Fertigung einer Nabe mit Antrieb, Freilauf und Bremse begonnen.
Der Vater Höpflinger steckte 136.000 Mark in das sich langsam entwickelnde Geschäft.
1903 wurde die Torpedo geboren und patentiert.


Ernst Sachs links im Bild...


Die Torpedo Freilaufnabe Original-Konstruktions-Zeichnung
Ernst Sachs mit handschriftlichen Vermerken.

"Torpedo in Sicht", mehr stand nicht in den Zeitungen.
"Torpedo hat bereits 8000 Kilometer zurückgekegt", so lautete die zweite Zeile Werbung.

Anmerkung:
Selbst 5 Jahre später bei der Fernfahrt Wien-Berlin 1908 starteten noch zwei Klassen.
Starrer Zahnkranz und Freilauf

Bis 1904 wurden 86.000 Freilaufnaben hergestellt
Das Modell 1905 schon mit einer Stückzahl von 250.000.
1909 bezahlte die Firma F&S an New Departure aus den USA 3 Millionen Mark für eine Lizenzabgabe.
Obwohl die Torpedo in Güte überlegen war!
(New Departure ist ein weiteres riesiges Gebiet das mich interessiert und ich recherchiere.)
Die Sachs Freilaufnabe funktioniert nach dem Rollenprinzip. Konusnaben (aufgebaut wie die Komet) gab es schon früher.
Die Torpedo setzte sich weltweit durch.
Nachdem das Patent auslief wurde die Nabe zigfach kopiert.







Noch ein paar historische Sachs-Dokumente...





Für das uns bisher bewiesene Wohlwollen unserer Kundschaft
danken wir an dieser Stelle verbindlichst und bitten,
uns dasselbe auch für die Zukunft zu bewahren.
Wir werden bei den bisherigen Erfolgen nicht rasten,
sondern betrachten es als unsere vornehmste Aufgabe,
keine Kosten noch Mühen zu scheuen,
um unseren Erzeugnissen und Fabrikationseinrichtungen,
die sich auf höchstem Stand der Technik befinden,
auch in Zukunft stets alle Fortschritte der Neuzeit zugute kommen zu lassen.


Deckblatt F&S-Katalog 1915



vor-100-jahren-sachs-schweinfurt

Die folgende "Offerten-Erinnerung" kann getrost mit obigem Dokument zusammen verdaut werden...




Quellenangaben für diese und die weiterführenden Seiten:
Ernst Sachs, Leben und Wirken, Von Robert Allmers 1937
Fortschritt und Sicherheit, Der Weg des Werkes Fichtel & Sachs, Von Ernst Bäumler 1961
Fichtel & Sachs Kalender von 1938
F & S Katalog von 1915

Die Grundlage einiger Abbildungen oben bildet das "Sachs-Journal vom Sept. 1970".
Es entstand aus der Tatsache "75 Jahre Fichtel&Sachs".
Das Journal stammt aus dem Nachlass von Siegfried Reissmann, ehem. Übersetzer bei Sachs.
Mein Dank an die Familie.



Weiteres Material aus dem Nachlass Siegfried Reissmann eingetroffen...

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Das Material wird gesichtet, sortiert und meinen Seiten zugearbeitet.
Es wird diese Seiten bereichern.